Freitag, 4. August 2017

Solarthermie - Automatikentlüfter landen endlich im Müll

Kommentar

Automatische Entlüfter an der höchsten Stelle des Solarkreises müssen sein, haben sie gesagt. Seit über 11 Jahren betreibe ich eine thermische Solaranlage für die Brauchwassererwärmung und zur Heizungsunterstützung. Beim Erstellen der Anlage wurden an (beinahe) höchster Stelle in Vor- und Rücklauf je ein automatischer Entlüfter eingebaut. Bereits einige Male habe ich durch diese Entlüfter massiv Anlagendruck verloren. Jetzt habe ich die Entlüfter endlich entfernt und entsorgt.

Automatikentlüfter - Sinn und Zweck

Diese automatischen Entlüfter dienten dazu, verbliebene Luftbläschen zu sammeln und dann abzuführen. Die Luftbläschen sammeln sich im Sammeltopf und mittels eines Schwimmers wird zu gegebener Zeit ein Ventil geöffnet, das die Luft entweichen lässt.
Grundsätzlich eine praktische Sache, mag man denken. Immerhin ist Luft im Solarsystem nicht unbedingt förderlich. Es lässt das Solarfluid schneller altern, haben sie mir erzählt. Sammelt sich die Luft und dehnt sich unter Temperaturerhöhung aus, so kann dies den Solarkreislauf erheblich stören oder gar unterbrechen. Das bedeutet, die Anlage geht in den Stillstand, noch bevor im Speicher die maximale Temperatur erreicht wurde. So jedenfalls hatte man mir das damals erklärt und irgendwie leuchteten mir diese Erklärungen damals ein. Das war der Grund, warum ich diese Teufelsteile nicht schon lange entsorgt habe.

Jede Anlage geht einmal in den Stillstand

Jede thermische Solaranlage geht irgendwann einmal in den Stillstand, i. d. R. im Sommer, wenn mehr Wärme geliefert wird, als im Haus benötigt wird. Das ist eigentlich nicht schlimm und eine richtig erstellte Solaranlage muss das vertragen und zu einem späteren Zeitpunkt, ohne Zutun des Besitzers, wieder anlaufen. Ich habe oft gehört, dass Betreiber von thermischen Solaranlagen z. B. im Keller einen Heizkörper haben, um überschüssige Energie vom Dach dort zu entsorgen. WTF! Da holt man sich, mit elektrischer Energie, die Wärme vom Dach, um sie gleich wieder irgendwo anders, wieder durch elektrische Energie befördert, sinnlos zu verbraten. Elektrische Energie wird immer noch zu einem großen Teil erzeugt, indem man fossile Brennstoffe verheizt, oder durch übersubventionierte Kernenergie, deren Abfall unseren Planeten bis ans Ende der Menschheit verstrahlen wird. Nicht benötigte Wärme einfach zu verschleudern, indem man sie sinnlos mit elektrischer Energie durchs Haus pumpt, ist in meinen Augen pervers.

Automatikentlüfter im Anlagenstillstand

Mein Wärmepuffer hat eine eingestellte Maximaltemperatur zwischen 85 °C und 90 °C. Irgendwann ist diese Temperatur erreicht und es kann nicht noch mehr Wärme eingelagert werden. Daraufhin schaltet die Solarpumpe ab. Die Sonne weiß natürlich nicht, dass ich keine Wärme mehr im Haus benötige, und scheint fleißig weiter. Dadurch erhöht sich die Temperatur in den Solarpanels und heizt das darin befindliche Solarfluid weiter auf, welches irgendwann verdampft. Der Dampf dehnt sich im Leitungssystem aus, bis er sehr schnell den Automatikentlüfter erreicht. Dort angekommen wird der Entlüftertopf zügig mit Solarfluid-Dampf befüllt. Weil der Entlüfter nicht zwischen Luft und Dampf unterscheiden kann, wird das Ventil geöffnet und der Dampf abgeblasen. Man bemerkt das auch sehr schnell, weil die verdampfte Solarflüssigkeit einen ganz eigenen Geruch hat. Wie jeden Entlüfter kann man auch diesen mit einem kleinen Rädchen verschließen. Dumm nur, dass lediglich mit einer Papierdichtung abgedichtet wird, die - ausreichend Druck vorausgesetzt - dem Dampf nur wenig Widerstand zu bieten hat und die Solarflüssigkeit dampft ab.
Seit ich die Solaranlage betreibe, ist dieser Vorgang bereits 3 bis 4 Mal eingetreten. Jedes Mal musste ich die Anlage nachfüllen und neu entlüften. Die Anlage ist nicht wieder selbstständig in einen ordnungsgemäßen Betrieb zurückgekehrt. Daher habe ich nach dem letzten dieser Ereignisse beschlossen, diese Automatikentlüfter ersatzlos zu entsorgen.

Alternative

Um das Abdampfen zu verhindern, habe ich davon gelesen, vor den Entlüftern einen Absperrhahn zu setzen. Dabei frage ich mich aber, wo dann die Automatik des Entlüfters sein soll. Die Luft muss sich trotzdem irgendwo sammeln können. Vor dem Absperrhahn müsste sich mindestens ein Stück Rohr befinden, wo sich Luft sammeln kann. Das klingt in meinen Ohren nach einem Quick-and-Dirty-Workaround, weil dem Solarteur nichts Brauchbares eingefallen ist. Aus dem Grund schied für mich diese Möglichkeit auch aus.

Die Luft muss raus

Selbstverständlich muss das Solarfluid in der Anlage so weit irgend möglich ohne Luft sein. Das Befüllen der Anlage nehme ich daher langsam vor, immerhin kostet mich meine Arbeitszeit auch nichts. Ich verwende eine handelsübliche Gartenwasserpumpe für die Befüllung. Das Solarfluid wird aus einer Wanne angesaugt, in die es, "am anderen Ende" der Solaranlage, auch wieder läuft. Mit einem entsprechenden Absperrhahn im Pumpschlauch lässt sich der Durchfluss regeln. Um von Beginn an möglichst keine oder wenig Luft einzupumpen, sollte man wirklich langsam füllen. Dann pumpt man so lange die Flüssigkeit durch die Solaranlage, bis sich keine Blasen mehr bilden. Das dauert dann mindestens 30 Minuten und kann sich auch bis zu einer Stunde hinziehen. Die dann noch verbliebene Luft gast erst unter Temperatur aus und wird bei mir an der Solarpumpe in einem Automatikentlüfter gesammelt und abgeführt. Dieser Entlüfter ist so weit von den Panels weg, dass sich der Dampf nicht bis dahin ausbreiten wird und daher nur Luft und kein dampfförmiges Solarfluid entweicht.

Fazit

Die Automatikentlüfter von höchster Montagestelle landeten bei mir endlich im Müll, sie haben mir in den Jahren mehr Ärger gemacht als sie nutzten sollten. Luft in der Anlage muss an anderer Stelle abgeführt werden, die Nähe zu den Solarpanels ist definitiv die falsche Stelle für automatische Entlüfter. Ein ausreichend großes Ausdehnungsgefäß vorausgesetzt, darf auch bei Anlagenstillstand das Sicherheitsventil nicht ansprechen. Kühlt das ganze System wieder ab, so kehrt die Solaranlage in den Regelbetrieb zurück.
Die ersten Betriebstage mit viel Sonne bestätigen meine Überzeugung, denn die Anlage arbeitet bislang wieder störungsfrei. Ob ich wirklich recht habe, werden die verbleibenden Sommerwochen zeigen.


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