Freitag, 15. September 2017

Neato botvac - Filterbug mit einem Selbstbaufilter beheben

HowTo / Erfahrungsbericht

Neato Filter mit nachbestücktem Filterflies (F6)
Seit einiger Zeit haben wir den Neato botvac connected im Haus, worüber ich bereits im Beitrag Neato botvac connected: Der erste Kontakt geschrieben habe. Gleich nach den ersten Saugvorgängen war mir aufgefallen, dass sich der mitgelieferte "Ultra Performance Filter" wahnsinnig schnell mit Staub zusetzt. Neato gibt auf seinen Seiten an, dass man den Filter alle 1-2 Monate wechseln müsse. Dies ist völlig lächerlich und ich kann das keinster Weise bestätigen, denn nach etwa 500 gesaugten Quadratmetern ist der Filter so verdreckt, dass ein Reinigen zur Nervenprobe wird. Denn dann will der Saugroboter nach jedem Saugen den Schmutzbehälter geleert und den Filter gereinigt haben. Ein Umstand, den die Reste an schwäbischem Blut in mir, unmöglich akzeptieren können. Daher suchte ich nach einer günstigeren Lösung, vorzugsweise mit vorhandenem Material.

Der Neato Filterbug

Wie eingangs geschrieben, kann man mit einem neuen Filter etwa 500 m² saugen. Ich muss zugeben, dass ich das nicht nachgemessen habe. Der Neato botvac connected reinigt bei uns ungefähr jeden zweiten Tag, wobei hier eine Fläche von etwa 100 m² abgearbeitet wird. Bereits nach dem ersten Saugen sind die Zwischenräume des Faltenfilters verdreckt und können mit einem herkömmlichen Staubsauger nur unzureichend gesäubert werden. Im Nachkauf habe ich schon nicht mehr den, angepriesenen und im Lieferumfang enthaltenen, Ultra Performance Filter besorgt, sondern bin auf die weniger teueren "Mikro-HEPA-Filter" umgestiegen. Den einzigen Unterschied, den ich erkennen kann, ist die fehlende Gitterlage im Hepa-Filter. Dieses Gitter war auch das Erste, was ich aus dem Ultra Performance geschnitten hatte, um ihn nicht gleich am dritten Tag entsorgen zu müssen. Hier handelt es sich meines Erachtens um eine vollkommene Fehlkonstruktion.
verschmutzer Ultra-Performance-Filter (schwarzer Filterrahmen)
verschmutzter Ultra-Performance-Filter
(noch mit der Gitterlage)
verschmutzer Mikro-HEPA-Filter (blauer Filterrahmen)
verschmutzter Mikro-HEPA-Filter
(nach dem Absaugen)
Ursächlich, für das Zusetzen der Faltenfilter, sehe ich die Luftführung. Der eingesaugt Schmutz wird, nachdem er im Schmutzbehälter gelandet ist, vom Luftstrom auf direktem Weg in die Filter gepresst und dort festgehalten. Der ganze feine Staub setzt somit unweigerlich die Filter zu und führt zu einem unverhältnismäßig hohen Filterverbrauch. Nicht nur, dass so ein Saugroboter gerne Löcher weit jenseits der 500€ in das Budget reißt, man muss auch noch viele, viele Filter zum Stückpreis von gut und gerne 17 € pro Stück kaufen. Dabei zeigen andere Hersteller, dass es auch anders geht. So konnte ich einen Samsung Powerbot im Realeinsatz sehen. Dieser hat einen Wirbelfilter, der bereits die meisten Schmutzpartikel in den Schmutzbehälter transportiert. Der verbleibende Feinstaub wird in einem auswaschbaren Filterschwamm gefangen. Dass auch der Dyson 360 eye einen Wirbelfilter besitzt, versteht sich hoffentlich von selbst, schließlich beansprucht man hier, dieses Verfahren erfunden zu haben. So geht Nachhaltigkeit, Neato!

Idee: Selbstbaufilter

Interessierte Leser dieses Blogs wissen, dass ich eine kontrollierte Wohnraumlüftung betreibe. Immerhin zählen die Lüftungsbeiträge den Großteil der Seitenaufrufe. Für die Wartung dieser Lüftungsanlage habe ich mir Filterflies beschafft und fertige daraus sowohl Abluft-  als auch Zuluftfilter. So kam mir sehr schnell der Gedanke, ob man nicht das Filterflies der Lüftung für den Saugroboter verwenden könnte. Das bei mir vorrätige Filterflies hat einen progressiven Aufbau. Dies bedeutet, dass es von der Schmutz- zur Reinluftseite immer dichter wird. Damit setzt sich das Flies gleichmäßig mit Staub und Schmutz zu und kann kaum nennenswert abgesaugt werden. Ich vermutete, dass ich das Flies wohl mit jeder Leerung des Schmutzbehälters ebenfalls entsorgen müsste. Bei einer Größe von 5 cm auf 20 cm, würde ich aus einem Quadratmeter etwa 100 Filter schneiden können. Bei einem Quadratmeterpreis von weniger als 5 € würde ein Filter für den Neato weniger als 0,05€ kosten. Die Hepafilter habe ich im Sechserpack für 14 € eingekauft. Die, im Paket enthaltenen, Seitebürsten grob herausgerechnet, kostet ein solcher Ersatzfilter immer noch 2 €. Das entspricht dem 40-fachen Preis des Flieses. Ich war überzeugt, dass sich der Test lohnen könnte.

Der Selbstbaufilter

Das benötigte Material bzw. Werkzeug für diesen Umbau:
  • Neato Filter (gebraucht)
  • Klettband zum Aufkleben (ca. L*B --> 50 cm * 1 cm)
  • Filterflies ca. 5 cm * 20 cm
  • Cuttermesser
  • Schneideunterlage
Der Neato-Filter darf gerne auch gebraucht bzw. verbraucht sein, denn es wird nur der Kunststoffrahmen benötigt. Den verschmutzten Faltenfilter aus dem Rahmen zu schneiden, stellte ich mir ziemlich einfach vor. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Kleber, mit dem das Filterflies eingeklebt ist, kein weiches Silikon, sondern etwas wesentlich Härteres ist. Aus dem Grund konnte ich den blauen Filterrahmen nicht so schön separieren, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das Klettband mit einer Breite von etwa 2 cm hatte ich noch und so schnitt ich es der Länge nach auf. Man kann es ganz günstig im Baumarkt oder im Gardinendiscount kaufen. 
Filterrahmen mit herausgetrenntem Originalfilter und Klebeklett im Zuschnitt
Filterrahmen mit herausgetrenntem Originalfilter
und Klebeklett im Zuschnitt
Filterrahmen mit eingeklebtem Klett und neuem Filterzuschnitt
Filterrahmen mit eingeklebtem Klett und neuem Filterzuschnitt
Leider ließ sich durch den harten Kleber der verdreckte Originalfilter nicht so akkurat entfernen, wie ich gehofft hatte, aber für einen ersten Test mit dem Filterzuschnitt aus der Lüftung sollte es reichen. An die Ränder des Filterrahmens klebte ich das Klettband. Dieses soll dann das Filterflies halten und zugleich auch Leckageluft verhindern. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass Schmutzpartikel am Filter vorbei kommen, weil diese dann den im Luftstrom folgenden Lüfter des Saugroboters beschädigen könnten. Aus diesem Grund sollte auch der Zuschnitt des Filterflieses nicht zu knapp gewählt werden. Sollte es zu Beschädigungen am Ventilator des Neato botvac kommen, so darf man davon ausgehen, dass es sich nicht um einen Garantiefall handeln wird. Sorgfältiges arbeiten sei demnach vorausgesetzt und selbstverständlich übernehme auch ich keinerlei Haftung im Falle eines Nachbaus.
fertiger Selbstbaufilter
fertiger Selbstbaufilter
Die Hauptaufgabe des Klettbandes ist es, das Flies in Position zu halten und zu verhindern, dass es beim Transport des Staubsaugers in den Schmutzbehälter fällt.

Selbstbaufilter im erfolgreichen ersten Praxistest

Erste Saugdurchgänge bestätigen meine Vermutung und zeigen ein sehr positives Bild. Das Flies blieb in Position und die Reinluftseite des Flieses ist noch blütenrein weiß. An den Rändern zeigen sich keine Schmutzschlieren. Soweit also alles im grünen Bereich. Die folgenden Bilder zeigen den Schmutzbehälter meines Neato botvac connected nach den ersten Reinigungsvorgängen:
Selbstbaufilter nach ~60 m²: erste Verschmutzungen
Selbstbaufilter nach ~60 m²: erste Verschmutzungen
Selbstbaufilter nach ~120 m²: mehr Verschmutzung
Selbstbaufilter nach ~120 m²: mehr Verschmutzung
Selbstbaufilter nach ~180 m²
Selbstbaufilter nach ~180 m²
Selbstbaufilter nach ~240 m²
Selbstbaufilter nach ~240 m²
Nach den ersten Runden bin ich wirklich begeistert von dieser Lösung. Einen solchen Füllstand des Schmutzbehälters konnte ich mit den Originalfiltern niemals erreicht. Nach 120 m² hätte ich bereits die erste Meldung erhalten, dass der Filter gereinigt werden müsste. Das ist eine sehr lästige Angelegenheit, vor allem, wenn die Meldung dann schon während des Saugvorgangs kommt. Die zugehörige Meldung am Smartphone ist dann "Ich stecke fest, ..." mit einer kurz darauf folgenden Meldung, dass die Reinigung abgeschlossen sei. Das ist beim ersten Mal eine sehr verwirrende Kombination an Statusmeldungen. Erst mit der Zeit lernt man, dass dies bedeutet, den Behälter zu leeren und den Filter zu reinigen. Im Folgenden noch die Nahaufnahme vom progressiven Filterflies nach 240 gesaugten Quadratmetern. Man sieht hier gut, wie es durchgängig mit Staub verschmutzt ist.
Detailaufnahme: progressiver Filteraufbau mit Verschmutzung
Detailaufnahme: progressiver Filteraufbau mit Verschmutzung
Zur Ergänzung noch eine Detailaufnahme von der Reinluftseite des Selbstbaufilters, also die Seite, die im Luftstrom dann weiter zum Ventilator führt. Die Aufnahme zeigt die Reinluftseite ebenfalls nach den gesaugten 240 m².
Selbstbaufilter auf der Reinluftseite nach 240 m²
Selbstbaufilter auf der Reinluftseite nach 240 m²
Hier ist, obwohl der Schmutzbehälter bereits gut gefüllt ist, das Flies noch sauber. Es ist zu erwarten, dass der Selbstbau des Filters die geschätzten 500 m² der Originalfilter überbieten wird. Die Meldung, dass der Behälter geleert werden muss, kam nach 300 m² und das Filterflies lies sich, wenn auch vorsichtig, durch Absaugen beinahe rückstandslos reinigen. Es ist davon auszugehen, dass ich mit dem Flies eine Standzeit von mindestens 600 - 900 m² erreichen werde.
Das Filterdesign von Neato ist, was die Langlebigkeit angeht, vollkommener Schrott. Die Modifikation im Selbstbau mit dem Filterflies macht die Sache ökologisch gesehen nicht viel besser, weil weiterhin einiges an Restmüll anfällt. Der Filter setzt sich jedoch nicht schnell zu und der Saugroboter meckert nicht schon bei halb leerem Schmutzbehälter, dass dieser geleert werden müsste. Eine endgültige Aussage zur Filterstandzeit kann ich aktuell noch nicht treffen.
Von der ökologischen Seite her betrachtet, ist dieser Selbstbau vielleicht ein kleiner Gewinn, denn der Kunststoffrahmen wird wiederverwendet, aber das Filterflies muss weiterhin regelmäßig entsorgt werden. Was die finanzielle Seite angeht, so gehen die horrenden Kosten für Ersatzfilter bei meinem Selbstbau tendenziell gegen Null, selbst wenn ich mit jeder Leerung das Flies gleich mit entsorgen müsste. Überschlagmäßig stehen 0,05 € beim Selbstbau, gegen 2 - 15 € beim Filterkauf. Selbst wenn ich mich im Filterpreis beim Selbstbau gröbstens verschätzt hätte, loost Neato bei diesem Preisvergleich hoffnungslos ab! Ich werde den Selbstbaufilter weiter genau beobachten. Sollten sich die ersten äußerst positiven Ergebnisse bestätigen, so werde ich im nächsten Schritt einen Filterrahmen akkurater aufbereiten, sodass der Klett ordentlicher aufgelebt werden kann. Ich möchte wirklich sicherstellen, dass kein Schmutz den Filter passiert und im Lüfter landet.

2 Monate Filterstandzeit sind frei erfunden

Mir ist es völlig schleierhaft, wie Neato eine Standzeit der Filter von ein bis zwei Monaten angeben kann. In der Praxis kam ich da eher auf 2 Wochen - best case. Es kommt auch immer auf die Art des Schmutzes und die Saugfrequenz an. Für einen berufstätigen Single in einer 30 m² ZweizimmerwWohnung, reicht ggf. einmal saugen pro Woche und dann fällt nicht viel Sauggut an. Bei einer vierköpfigen Familie, vielleicht sogar mit Haustieren und einem 160-m²-Einfamilienhaus, sieht das ganz anders aus; erst recht, wenn sich eine Person Vollzeit um das Zuhause kümmert. Wie eingangs geschrieben, schätze ich die Standzeit der Hepafilter von Neato auf etwa 500 m², den Ultra-Performance eher auf 200 m². Jetzt kann jeder selbst abschätzen, wann ein neuer Filter fällig werden könnte und welche Kosten dann anstehen mögen.



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