Montag, 5. März 2018

Komfortfunktionen der Zehner ComfoAir Q350

HowTo / Meinung

Es hat mich eine Anfrage eines Lesers zum Betrieb der Zehner Lüftung erreicht. Seine ComfoAir Q350 ist seit knapp einem Jahr in Betrieb. Da die Automatik nicht zur Zufriedenheit des Lesers arbeitete, betreibt dieser nun die Lüftung im manuellen Modus. Leider scheint seine Fachkraft mit dem Latein am Ende zu sein und so hat er sich selbst auf die Suche nach Antworten gemacht. Es freut mich, dass offensichtlich meine Beiträge zur Lüftungsanlage als hilfreich empfunden werden. Da ich noch nichts zu den Einstellungen meiner ComfoAir Q350 geschrieben habe, kann hoffentlich dieser Artikel ein paar Lüftungsbetreibern eine Hilfe sein.
Leider sind die Informationen zu den Komfortfunktionen der Lüftung, welche ich hier beschreibe, ziemlich rudimentär. Dem Installateur meines Hilfe suchenden Lesers scheinen diese Funktionen ebenfalls unklar zu sein. Womöglich hatte man nur noch nicht die Zeit, sich damit genauer zu beschäftigen. Genau das sollte eine Fachkraft aber, wen sie nicht nur verkaufen will, sondern auch echten Service bietet.


Inhalt:
1. Firmwareupdate
2. Problem: Die Lüftung dreht unerwartet auf
3. Die Komfortfunktionen
3.1 Passive Temperatur
3.2 Feuchteregelung
3.4 Aktiver Feuchteschutz
4. Fazit

Zehnder Lüftung - Firmware 1.6.2 - unterstützte ComfoAir Geräte
FW 1.6.2 - unterstützte Geräte

Firmwareupdate

Ein Punkt gleich einmal vorweg: Bei einem meiner ersten Anrufe beim Zehnder-Support wurde bereits nach der verwendeten Firmware gefragt. Üblicherweise wird das wohl ein erster Punkt sein, der überprüft wird. Sollte eine neuere, als die verwendete, Firmware verfügbar sein, so wird die relativ sicher upgedatet. Für meine ComfoAir Q350 D TR ERV in der Hardwareversion 2 ist die neueste freigegebene Firmware (Stand 4.3.2018), die Version 1.6.2. Wie bei allen technischen Geräten sollte ein Update auf die neueste Version nicht schaden. Schön, dass Zehnder weiter an der Verbesserung der Firmware arbeitet und dass diese auch auf bestehende Anlagen gespielt werden kann. Immerhin handelt es sich bei meinem Gerät um eines der Ersten am Markt. Auch wenn ich sie schon bald 2 Jahre in Betrieb habe, so sollte der Zenit ihrer Lebensdauer noch lange nicht überschritten sein. Daher wäre es schön, wenn die Firmware noch viele Jahre von Zehnder gepflegt wird.

Updates der Firmware können übrigens nicht vom Benutzer durchgeführt werden. Bei der Verwendung einer ComfoConnect Schnittstelle muss der Monteur aber nicht unbedingt vor Ort sein. Der Zugriff auf die ComfoConnect-Cloud als registrierter Monteur ist Voraussetzung für ein selbstständiges Update über die App. Der Besitzer eines Lüftungsgerätes wird diesen Zugang meist wohl nicht haben. Da ich bereits in Foren auf Diskussionen über Firmwareupdates von Zehnder-Lüftungen und einen Link auf mein Blog gestoßen bin, sei das der Vollständigkeit halber erwähnt. Der normale Benutzer wird also selbst meist kein Firmwareupdate durchführen können.

Schade, dass beim fragenden Leser noch die Firmware 1.4.0 auf dem Gerät läuft und der Monteur bereits am Ende seines Lateins scheint. Zumindest eben ein Firmwareupdate hätte man versuchen können. Es zeigt aber auch, wie wenig sich offensichtlich, selbst Fachleute, noch mit dem Thema private Wohnraumlüftung beschäftigt haben. Interesse am Thema scheint es aber zu geben, schließlich sind meine Beiträge zur Lüftung im Blog der Highrunner bzgl. Seitenaufrufe.
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Problem: Die Lüftung dreht unerwartet auf

Bei den mir dargelegten Problemen des Lesers würde ich aber auch nicht vermuten, dass ein Firmwareupdate Abhilfe schafft. In der Problembeschreibung erklärt mein Leser, dass er ein Zeitprogramm hinterlegt hatte, welches die Lüftung während der Nacht auf Stufe 1 schaltet. Bei der morgendlichen Dusche fährt die Anlage offensichtlich hoch auf Stufe 3, was die Mitbewohner weckt; ein Umstand, der vor 6 Uhr morgens nicht akzeptabel ist. Genau daher wird die Lüftung nun seit Längerem manuell in Stufe 2 betrieben. Das ist natürlich schade, weil die ComfoAir eigentlich über ausreichend Sensoren und eine gewisse Logik verfügen sollte, um auch im Automatikmodus zur Zufriedenheit des Besitzers zu arbeiten.
Bei der Beschreibung stellen sich mir ein paar Fragen. Es mag eine persönliche Einstellung von mir sein, aber warum ich die Lüftung während der Nacht auf Stufe 1 zwingen soll, verstehe ich nicht. Auch in der Nacht lebt man im Haus und stößt Kohlendioxid aus und gibt Feuchtigkeit ab. Ich sehe hier keinen großen Unterschied zu tagsüber. Daher läuft i. d. R. bei mir auch kein Zeitprogramm. Der einzige Grund, warum ich die Anlage in der Nacht reduzieren möchte, wären Geräusche, die mich nicht schlafen lassen. Eine Lüftung, welche im Normalbetrieb störende Geräusche abgibt, ist falsch berechnet, falsch ausgelegt oder falsch eingestellt. Das wage ich jetzt einfach mal so zu behaupten!
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Die Komfortfunktionen

Dem Lüftungsbauer/Heizungsmonteur unterstelle ich eine ordentliche Berechnung der Anlage und eine ordentliche Einstellung der Ventile. Anderenfalls läge hier mehr im Argen. Trotzdem hat der Nutzer Probleme mit unerwartetem hochschalten auf Stufe 3 und damit verbundenen störenden Geräuschen. Die Ursache des Problems vermute ich in ungünstig eingestellten Komfortfunktionen der ComfoAir. Leider sind die verfügbaren Infos von Zehnder dazu sehr rudimentär und eine umfassende Antwort zu meinen Fragen hatte mir auch der Kundendienst am Telefon nicht geben können. Im Lauf der Zeit habe ich ein paar verschiedene Einstellungen durchprobiert und bin auf eine Konfiguration gekommen, die bei mir zur Zufriedenheit aller Bewohner funktioniert.

Um in die Einstellung der Komfortfunktionen zu gelangen, muss am Lüftungsgerät der "erweiterte Modus" aktiviert sein. Anderenfalls finden sich diese Punkte gar nicht im Gerätemenü. Mein Leser verfügt über eine ComfoConnect Schnittstelle, wie ich auch. Da mir die Bedienung der Anlage über die zugehörige App bequemer ist, beschreibe ich im Weiteren das Vorgehen über die App. Die Menüstruktur im Gerät ist in der Bedienungsanleitung ab Seite 13 zu finden. Die Anleitung findet sich auch bei Zehnder im Downloadbereich.
In der App muss mindestens die Benutzerebene für fortgeschrittene Benutzer aktiv sein; alternativ die Monteurebene. Die Komfortfunktionen lassen sich als Benutzer einstellen und ein Eingriff in die Monteureinstellungen ist nicht erforderlich.
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Komfortfunktion - Passive Temperatur

Screenshot: passive Temperatur
Screenshot: passive Temperatur
Diese Funktion beschreibt Zehnder ganz simpel mit:
Erhöhung der Luftmenge zur Maximierung der passiven Kühlung oder Heizung unter günstigen Bedingungen.
Bei mir steht diese Funktion auf "AUTO"; was bedeutet, sie wird nur im Automatikmodus aktiviert. Klar, denn meine Lüftung läuft nahezu immer auf Automatik, und wenn ich auf manuell fahre, dann auch ganz; dann darf auch die passive Temperaturregelung inaktiv sein.

Aber was bewirkt denn diese Funktion denn nun? Auf Basis des hinterlegten Temperaturprofils wird die Lüftungsleistung erhöht, oder auch der Bypass aktiviert, um die Zuluft zu kühlen oder besser zu erwärmen. Mir ist zwar immer noch fraglich, warum der Luftdurchsatz nur erhöht, nicht aber verringert wird, aber die Bypassregelung funktioniert.

Das Temperaturprofil lässt sich in der App unter "Fortgeschritten - Temperaturprofil" festlegen. Den Modus "adaptiv" hatte ich am Anfang ausprobiert, aber er funktionierte nicht zu meiner Zufriedenheit. In, für mich unverständlichen, Momenten wurde die Lüftungsleistung erhöht; auch in der Nacht. Auf Stufe 2 haben wir nachts kein Problem, aber Stufe 3 ist, vor allem nachts, deutlich hörbar. Ich wollte schon fast die passive Temperaturregelung deaktivieren, bis ich beim Temperaturprofil den Modus manuell ausprobiert habe. Hier lässt sich festlegen, welche Zuluft warm / normal / kühl ist. Meine Einstellungen, welche nicht allgemein passend sein müssen, sind warm = 23 °C, normal = 21 °C, kühl = 19 °C.

Screenshot: Jahreszeitenerkennung
Screenshot: Jahreszeitenerkennung
Eine weitere Einstellung, die man auch überprüfen kann, ist die "Jahreszeitenerkennung für Bypass". Ich habe den Heizgrenzwert auf 14 °C gestellt, weil dies auch der Heizgrenze meiner Heizungsanlage entspricht. Der Kühlgrenzwert steht bei mir auf 20 °C, weil ab dieser Frischlufttemperatur gerne eine entsprechende Kühlung vorgenommen werden darf. Der Wert für die Kühlgrenze mag befremdlich wirken, aber mit meinem vorgeschalteten Luft-Erdwärmetauscher, hat er sich als praktikabel erwiesen.

Mit dieser Einstellung bin ich über den letzten Sommer ganz gut gefahren und seltsame Erhöhungen des Luftdurchsatzes, wie im ersten Sommer, sind ausgeblieben.
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Komfortfunktion - Feuchteregelung

Screenshot: Feuchteregelung
Screenshot: Feuchteregelung
Hierfür findet sich folgende Beschreibung:
Automatische Erhöhung der Luftmenge zur Aufrechterhaltung eines angenehmen Luftfeuchtigkeitsgrads unter günstigen Bedingungen. (Durch Maximierung der passiven Befeuchtung oder Entfeuchtung)
Die aktive Einstellung führte bei mir dazu, dass die Lüftung hochgefahren ist, sobald jemand geduscht oder gebadet hatte. Mein Verständnis für die Feuchteregelung ist Folgendes: Steigt die Luftfeuchtigkeit innerhalb eines, von der Firmware festgelegten, Zeitraumes an, so wird die Luftmenge erhöht, um die Feuchtigkeit abzulüften. Bei mir konnte ich kein anderes Ereignis ausmachen, als die Badbenutzung, welche diese Funktion aktiviert hat.

Diese Funktion ist bei mir ausgeschaltet, weil ich kein Problem einer, zeitlich begrenzten, hohen Luftfeuchtigkeit im Bad sehe. Sobald man die Körperhygiene beendet hat, fällt keine weitere Feuchtigkeit an und die bestehende Feuchtigkeit kann über die nächsten Stunden abgelüftet werden. Zusätzlich mangelt es im Winter im Haus eh an Luftfeuchtigkeit. Läuft die Lüftung im Normalbetrieb weiter, so strömt die Abluft auch nicht schneller durch den Wärmetauscher und die Feuchtigkeit hat "mehr Zeit" an die Zuluft zu diffundieren. Ich habe die Luftfeuchtigkeit im Bad mit einem Hygrometer stets im Auge und kann beim besten Willen keinen Nachteil erkennen, auch wenn ich die Feuchteregelung deaktiviert habe.
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Komfortfunktion - Aktiver Feuchteschutz

Screenshot: aktiver Feuchteschutz
Screenshot: aktiver Feuchteschutz
Die Beschreibung, die Zehnder liefert, klingt für mich einleuchtend und sinnvoll:
Die Luftmenge wird erhöht, wenn der Luftfeuchtigkeitsgrad im Außenbereich niedriger als im Innenbereich ist und die relative Luftfeuchtigkeit der Innenluft ein Niveau überschreitet, über dem Feuchtigkeitsprobleme auftreten können.
Anders gesagt: Wenn die Luftfeuchtigkeit innen zu hoch wird, schaut die Lüftung, ob es draußen weniger feucht ist. Ist dem so, dann dreht sie auf, um Feuchtigkeit abzulüften. Hier handelt es sich also nicht um einen zu steilen Anstieg der Luftfeuchtigkeit in der Abluft, sondern um einen Wert, der möglicherweise zu Kondensation und damit zu Schimmel im Haus führen könnte.

Diese Einstellung ist bei mir ebenfalls im Automatikmodus aktiv. Auch hier gilt: Wenn ich auf manuell stelle, dann werde ich schon wissen, was ich da mache.
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Fazit

Ein genauerer Blick auf die erweiterten Einstellungen kann sich durchaus lohnen. Bei der Erstinbetriebnahme konnte ich nicht alle Beschreibungen aus der Bedienungsanleitung nachvollziehen. Etwas ausführlichere Informationen wären wünschenswert. Vielleicht ließen sich zumindest in der App passende Links auf die Zehnderseite hinterlegen, um dem fortgeschrittenen Benutzer ein wenig tiefere Einblicke in die Grundlagen zu diesen Funktionen zu geben.
Interessant war, dass mein Leser die Erhöhung der Luftmenge, während des Duschens ebenfalls als unpassend empfindet. In seinem Fall war es, weil die Mitbewohner geweckt werden. In meinem Fall war und bin ich der Annahme, dass - gerade im Winter - die Feuchtigkeit gerne im Haus verbleiben darf. Sollten mehr Benutzer dieser Ansicht ähnlich empfinden, sollte Zehnder eine Überarbeitung dieser Funktion in Erwägung ziehen.

Wie schon mehrfach aufgeführt, läuft meine Anlage 24/7 im Automatikmodus. Ein Zeitprogramm ist i. d. R. nicht hinterlegt und die definierten Komfortfunktionen liefern mir den Luxus, dass ich eben nicht dauernd die Lüftungsstufe selbst ändern muss. Ich möchte mir einfach keine großen Gedanken zum Lüften machen müssen! Lediglich, wenn wir Besuch haben und der Kohlendioxidgehalt im Wohnraum ansteigt, oder wenn olfaktorische Belastungen vorliegen, wird zeitlich begrenzt auf Partystufe geschaltet. Am Ende der eingestellten Zeit kehrt dann die Lüftung wieder in den Automatikmodus zurück und arbeitet, fast unmerklich, im Hintergrund weiter.
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