Freitag, 11. August 2017

Lüftungsanlage im Sommer - Bleibt es kühl im Haus?

Meinung / Erfahrungsbericht

Zehnder Lüftunganlage Q350TR mit symbolischer Sonne im Vordergrund
Seit über 13 Jahren bin ich Besitzer und Betreiber einer kontrollierten Wohnraumlüftung. Noch immer müssen sich Lüftungsbetreiber und solche, die es werden wollen, mit diversen Vorurteilen rumschlagen. Doch es gibt auch noch die interessierten Bauherren und auch hier gibt es Erwartungen, die eine Lüftungsanlage allein nicht erfüllen kann. Eine dieser Erwartungen ist, dass eine Lüftungsanlage für angenehme Kühle im Haus sorgen soll. Nicht einmal ein Erdwärmetauscher kann diese Forderung längerfristig erfüllen. Ich hatte mir ein wenig bessere Kühlung durch den Wechsel auf die neue Zehnder ComfoAir Q350TR im letzten Jahr versprochen. Immerhin ist hier ein automatischer Bypass verbaut, den meine Vorgängeranlage nicht hatte. Für meinen heutigen Beitrag habe ich dazu einmal meine Temperaturaufzeichnungen aus 2015 und 2017 verglichen.

Spoiler: Eine Lüftung ist keine Kühlung

Immer wieder fragen mich Interessierte, ob das Haus mit einer Lüftungsanlage kühler bleibt. Ich muss zugeben, dass auch ich diese Erwartung hatte, als wir uns für eine Lüftung, im neu zu bauenden Haus, entschieden. Um diese Wirkung zu erreichen, habe ich einen Luft-Erdwärmetauscher verbaut. Bedenkt man, dass ein solcher Erdwärmetauscher eine geschätzte Kühlleistung von 500 - 800 W bringt, sollte es eigentlich einleuchtend sein, dass damit garantiert nicht das ganze Haus gekühlt werden kann. Man kann damit die Temperaturspitzen über den Tag abpuffern. Längerfristig wird sich das Erdreich um das Ansaugrohr erwärmen und so wird sich auch die Frischlufttemperatur an der Anlage erhöhen.

Temperatur an einem Sommertag

Die folgenden beiden Bilder zeigen den Temperaturverlauf eines Sommertages im Jahr 2015 und 2017:
Temperatur eines Sommertages 2015
Temperatur eines Sommertages 2015
Temperatur eines Sommertages 2017
Temperatur eines Sommertages 2017
Man sieht, wie die Außentemperatur bis etwa 6:30 absinkt. Im Jahr 2015 folgt die Innentemperatur diesem Verlauf, im Jahr 2017 nicht. In der Sommernacht 2015 waren die Fenster des Hauses geöffnet, im Jahr 2017 nicht. Sehr schön sieht man, dass 2017 gegen 6:30 die Fenster geöffnet wurden, worauf die Innentemperatur rapide sank. 2017 war, nachdem die Fenster geschlossen wurden, die niedrigere Innentemperatur nur von kurzer Dauer. 2015 dauerte die Erwärmung etwas länger. Die gespeicherte Wärmeenergie in Wänden und Möbeln sorgte 2017 für den schnelleren Temperaturanstieg. Hiermit sei festgehalten, dass ein Vorurteil gegen Lüftungsanlagen widerlegt ist: Man kann und darf die Fenster öffnen, auch wenn eine Lüftung verbaut ist! Der restliche Temperaturverlauf ist an beiden Tagen qualitativ identisch. An beiden Tagen steigt die Außentemperatur in den Nachmittagsstunden bis auf etwa 35 °C an. Die Innentemperatur 2015 verbleibt konstant bei knapp 25 °C und im Jahr 2017 bei knapp 26 °C. Der Grund für die konstante Temperatur liegt jedoch nicht bei der Lüftungsanlage, sondern bei der konsequent angewendeten Verschattung. Nur so wird der erhebliche Energieeintrag über die Fenster vermieden. Wärme, die nicht im Haus ist, muss nicht heruntergekühlt werden. Das spart Energie und schont den Geldbeutel.

Temperatur einer Sommerwoche

Die folgenden beiden Bilder zeigen den Temperaturverlauf, je einer Sommerwoche, im Jahr 2015 und 2017:
Temperatur einer Sommerwoche 2015
Temperatur einer Sommerwoche 2015
Temperatur einer Sommerwoche 2017
Temperatur einer Sommerwoche 2017
Man sieht beim 2015er-Diagramm sehr schön, wie die Temperatur über den Tag schwankt, wobei die mittlere Temperatur von etwa 23,5 °C am Montag bis auf knapp 26 °C am Sonntag ansteigt. Die Woche im obigen Beispiel aus 2017 verläuft ähnlich. Auch hier steigt die mittlere Außentemperatur über die Woche, von etwa 23 °C, auf ca. 25 °C an. Trotz der Verschattung folgt die Innentemperatur und steigt an. Sehr deutlich ist in den Diagrammen die Wirkung des Erdwärmetauschers zu sehen. So steigt die Außentemperatur im Tagesverlauf um gut und gerne 10 °C bis 15 °C, die Innentemperatur jedoch nur um 1 °C bis 2 °C. Dabei ist es unerheblich, ob die Lüftungsanlage über einen Bypass verfügt, oder nicht. Im Jahr 2015 hatte ich noch meine Maico Lüftung und der Wärmetauscher der Anlage war im Sommer ebenfalls verbaut; ein Wechsel auf eine, separat zu erwerbende, Sommerkartusche war mir einfach zu umständlich. Zu leicht wechseln die Temperaturverhältnisse und ich müsste die Anlage aufschrauben und die Sommerkartusche gegen den Wärmetauscher zurücktauschen. Hier sollte der automatische Bypass der Zehnder Q350TR wesentlich komfortabler sein. Das ist er auch, bringt aber leider nicht den erhofften Kühleffekt. Der Vorteil des automatischen Bypasses liegt eher in der Feuchteregulierung, denn bei einer Kühlfunktion.

Fazit

Durch den Bypass, oder auch die Verwendung einer Sommerkartusche, bleibt es im Haus nicht kühler. Ein verbauter Erdwärmetauscher puffert im Sommer allenfalls die Temperaturspitzen über den Tag ab, bringt aber zu wenig Kühlleistung, um nennenswert die Temperatur im Haus zu senken. Zehnder bietet hier die ComfoCool Systemergänzung an. Zur Q-Reihe kann ich diese bisher nur für die Zehnder ComfoCool Q600 ST finden, welche offensichtlich zur Zehnder ComfoAir Q600 ST gehören wird. Meine Suche nach einer ComfoCool Q350 oder Q450 war erfolglos. Ich habe mich bisher aber auch noch nicht detailliert mit einer aktiven Kühlung befasst. Wie oben zu sehen ist, hatten wir bei Tageshöchsttemperaturen im Jahr 2017 von bis zu 35 °C eine Innentemperatur von 25 - 26 °C. Kommt man von draußen, so empfindet man dies als angenehm kühl. Bei einer Dienstreise nach China waren dort übrigens die Klimaanlagen im Büro ebenfalls auf 27 °C eingestellt, als es draußen 35 °C hatte. Dort war niemand erkältet. Ein größeres Temperaturgefälle zwischen drinnen und draußen scheint also gar nicht nötig zu sein und wird normalerweise auch nicht empfohlen. Es bleibt aber jedem selbst überlassen, welche Temperaturen zu Hause eingestellt werden. Mit einer Lüftungsanlage lässt sich das Haus nicht nennenswert herunterkühlen. Auch ein Erdwärmetauscher bringt keine signifikante Temperaturabsenkung im Haus. Es lässt sich bestenfalls eine Verzögerung des Temperaturanstiegs erreichen. Den größten Erfolg, die Innentemperatur niedrig zu halten, hat man mit einer sorgfältig geplanten und angewandten Verschattung. Reicht dies nicht aus, so muss zusätzlich eine aktive Kühlung eingeplant werden.



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