Mittwoch, 13. Januar 2016

Akkulaufzeit - Das große Wehklagen

Kommentar

Wie bitte, das neue Smartphone muss ich jeden Tag aufladen? Aber mein Siemens, Nokia, Ericsson,... hat 3 Wochen gehalten, da musste ich nicht dauernd aufladen! WAS, nur einen Tag soll der Akku von der Smartwatch reichen? Sowas kann man doch nicht gebrauchen. Ich weiß noch, dass ich bei meiner Casio damals nach 3 Jahren das erste Mal die Batterie wechseln musste. Warum können die sowas heute nicht mehr?
So oder so ähnlich hört man das immer und immer wieder. Inzwischen scheint es zum guten Ton zu gehören, sich über die Akkulaufzeit zu beklagen. Meine ehrliche Meinung dazu? Ich kann es nicht mehr hören!


Alle diejenigen, die gerne wieder in dieses meditative Wehklagen einstimmen, möchten doch bitte mal das Nachdenken beginnen. Wie lange wart ihr denn 1997 mit Eurem Handy online? Wie viele Internetseiten habt ihr gelesen? Wie viele Videos habt ihr denn damals gestreamt? Wie lange habt ihr auf den Handy gezockt? Wie oft hat das Handy im Hintergrund Eure 5 Mailboxen gecheckt? Wie lange habt ihr denn mit dem Highendgerät der letzte Jahrzehnte Musik genossen; vielleicht sogar auf Eure Stereoanlage gestreamt? Habt ihr das alles unterwegs über das Mobilfunknetz gemacht oder wart ihr in ein WLAN eingebucht? 
Ach ja, mit so einem Featurephone, wie man es heute nennt, konnte man nicht wirklich online gehen. WAP (Wireless Application Protocol) war sowas von grottenlangsam, dass es einfach keinen Spaß machte. Außerdem war es quasi unbezahlbar. Man mochte glauben, die Provider schicken jedes Byte per Kurier in die Endgeräte. Euer Display war garantiert nicht dafür geeignet Videos anzuschauen. Verpixeln war gar nicht notwendig, weil das Display eh keine Auflösung hatte um Bilder oder Videos zu zeigen. Außerdem in schwarz/weiß - oft nicht einmal Graustufen - waren Videos eine spaßfreie Zone. Aus dem gleichen Grund hat man zu der Zeit bestenfalls mal Snake gespielt und nicht Clash of Clans. Die Lautsprecher taugten für Telefonate, aber die Wiedergabequalität bei Musik erinnerte schon beinahe an ein Grammophon. Bluetooth war noch nicht erfunden oder steckte bestenfalls in den Kinderschuhen. WLAN war was für Freaks und vom Handy wurde das schon mal gar nicht unterstützt.

Spätestens mit der Präsentation des ersten iPhone wurden Smartphones massentauglich. Inzwischen ist die Bezeichnung Handy quasi ein Synonym von Smartphone. Aus diesem Grund musste auch die Bezeichnung Featurephone geschaffen werden. Übrigens ist Dumbphone die bessere Bezeichnung für ein Featurephone. So ein Dumbphone, ein dummes Telefon, ist alles andere als smart und kann "so gut wie gar nichts". Das besondere Feature, das ein Featurephone hat ist dass es nichts besonderes kann. Wenn man damit nur telefonieren und simsen kann, ist deren Energiehunger für heutige Verhältnisse unvorstellbar niedrig. Und damit haben wir den Grund gefunden, warum früher alles besser gewesen sein soll. Die verfügbaren Akkukapazitäten haben damals locker ausgereicht um die paar Funktionen zu bedienen.
Rufen wir uns ins Gedächtnis, was so ein Handy bzw. Smartphone heute alles leisten soll. Ein Smartphone ersetzt heute das kleine schwarze Büchlein mit all unseren Kontakten und Terminen. Ein Smartphone ist heute ein kleiner tragbarer PC, der uns überall und zu jeder Zeit ins Netz bringt damit wir auf Wikipedia oder sonst wo unsere Infos bekommen. Ein Smartphone ersetzt heute den Versandkatalog, den Bestellschein und das Fax um die Bestellung abzusenden. Ein Smartphone ist heute auch eine tragbare Spielekonsole, damit wir überall ein wenig zocken können.....

Mit fast jeder Neuvorstellung ertönt das ewige Wehklagen erneut. Nur ganz selten gibt man sich mit der Laufzeit zufrieden, so wie man quengelnden Kindern nur selten genug Süßes geben kann. Realisiert doch endlich, dass das Handy inzwischen die Funktion von Terminplanen, Kontaktverwaltung, Shoppingmedium, Spielekonsole, Walkman/MP3-Player, TV Gerät und Videorekorder übernommen hat. Solange die Funktionen schneller mehr werden müssen, als die verbauten Akkus - die eh keinen Platz benötigen dürften, damit die Kiste auch schön dünn und leicht bleibt - in der Kapazität zunehmen können, solange wird sich an der Akkulaufzeit auch nichts ändern.
Warum beschwert ihr euch überhaupt? Wenn wir unser Smartphone einen ganzen Tag problemlos nutzen können, reicht das doch aus! Mein erstes Smartphone war ein Xda Orbit von HTC. Am Ende des Tages hatte ich meist noch zwischen 40% und 60% im Akku. Jetzt ratet mal, was ich am Abend getan habe. Ich habe geladen! Schließlich weiß man nie, was der nächste Tag bringt. Genau das macht doch fast jeder da draußen heute auch noch. Am Abend bzw. in der Nacht wird geladen was das Zeug hält, egal wie viel noch im Akku ist. Schaltet im Smartphone alles ab, was man heute so benutzt, dann bekommt ihr die Laufzeit, die ihr verlangt. Dumm nur, dass ihr all das nicht mehr tun könnt, was ihr täglich mit dem Smartphone so macht. Bei meinem Xda Orbit beträgt die Akkulaufzeit bei reinem Telefonstandby etwas eine Woche. Probiert das doch einfach mit Eurem Smartphone aus - wenn ihr so lange offline sein könnt. Ich kann es nur ungern und mit Einschränkungen. Zu seht hat man sich an die Benutzung des Smartphone gewöhnt.

Hört endlich das Gejammer auf, solange ihr von den Herstellern immer mehr Funktionen und immer dünnere und leichtere Geräte verlangt! Hört endlich das Gejammer auf, solange ihr im gleichen Atemzug Akkulaufzeiten von mehreren Tage oder Wochen verlangt! So lange man mit dem Gerät über den Tag kommt, ist alles i.O. Ist dem nicht so, sollte man prüfen, ob man nicht ein Exzessivnutzer ist, denn darauf sind die Akkus nicht ausgelegt. da bleibt nur am Tag Nachladen. Die Entwicklung bei den Akkus schreitet voran, wenn auch langsam. Wie so oft scheint mir die Automobilindustrie mit Firmen wie Tesla und Co. hier der Treiber zu sein. Auch die Smartphones werden davon noch profitieren und wenn wir nicht immer neue Funktionen mit immer mehr Energiehunger in unseren Smartphones wollen, dann wird auch die Akkulaufzeit wieder zunehmen.

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